Der Polnische Westgedanke Roland Gehrke
Bookreader Item Preview
Share or Embed This Item
- Topics
- Polen, Ostpreußen, Schlesien, Oder-Neisse, Vertriebene, Weltkrieg, Polenpolitik, Forschung, Osteuropa, Mitteleuropa, Deutschland, polnischer Westgedanke, Nationalismus, Chavinismus, Imperialismus, Volksdeutsche, Vorkriegsgeschichte, Revisionismus, Deutsche, Westen
- Collection
- booksbylanguage_german; booksbylanguage
- Language
- German
- Item Size
- 297.6M
Polnische Gebietsansprueche gegenueber Deutschland vor dem zweiten Weltkrieg
Grundlage und Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist die Frage, vor welchem ideengeschichtlichen Hintergrund mit Ostpreußen und Teilen Schlesiens Gebiete in das Blickfeld polnischer Interessen gerieten und schließlich zum Gegenstand direkter Gebietsansprüche wurden, die nicht zum Programm einer Restitution des durch die Teilungen gewaltsam ausgelöschten polnischen Staates gehören konnten. Diesem Prozeß liegt ein grundlegender Wandel der polnischen Nationsidee zugrunde, in dessen Verlauf ein ursprünglich romantisch inspirierter und intellektuell abgehobener Befreiungsnationalismus schließlich in eine ethnisch motivierte und dem Prinzip des „nationalen Egoismus" verpflichtete Integrationsideologie einmündete. Damit einher ging ein grundlegender Wandel des Gesellschaftsverständnisses, das nunmehr weg von der überkommenen Tradition der „Adelsnation" und hin zu einer nationalen Integration auch des bisher abseits stehenden ländlichen Proletariats führte. 4 In dieser Entwicklung mischten sich spezifisch polnische Faktoren mit allgemeineuropäischen Zeitströmungen und Denkmustern. Die von polnischer Seite gegen Deutschland erhobenen Gebietsansprüche allein aus der polnischen historischen Entwicklung heraus als Reaktion auf die deutsche Polenpolitik zu deuten, wie dies in der polnischen Forschung mitunter getan wird, wäre also verfehlt.
Die vorliegende Arbeit betrachtet es als ihre Aufgabe, die verschiedenen Kriterien aufzuzeigen, die auf polnischer Seite zur Begründung der territorialen Ansprüche im Westen herangezogen wurden - sei es historischer, ethnisch-kultureller, sprachlicher, geographischer oder ökonomischer Natur -, und dabei aus der vielfältigen polnischen Publizistik argumentative Grundmuster herauszufiltern und ideengeschichtlich einzuordnen. Gerade die oft recht willkürliche Vermischung dieser verschiedenen Kriterien weist auf ein weiteres Problem hin, das in der polnischen Forschung bislang sehr einseitig erörtert wurde, nämlich die Frage nach einem mehr defensiven oder mehr offensiven Charakter des Westgedankens. War das im 19. Jahrhundert erwachende polnische Interesse an den „Westgebieten" zunächst noch auf die dort vom einfachen
Volk gesprochenen polnischen Dialekte und deren Verteidigung gegen deutsche Assimilierungsbestrebungen konzentriert - also im klassischen Sinne defensiv -, so erlaubte die Addition weiterer Kriterien den Übergang zu einer mehr und mehr offensiven und aggressiven Stoßrichtung, die über die von einer polnischsprachigen Bevölkerungsmehrheit bewohnten Gebiete noch hinausgriff. Es gilt daher, diesen Übergang zeitlich zu bestimmen und die Bedingungen aufzuzeigen, unter denen er sich vollzog.
Hiervon nicht zu trennen ist zum einen der Einfluß gesamteuropäischer nationaler Ideen, zum anderen der sich verschärfende Nationalitätenkonflikt im preußischen Osten. Aus welchen geistigen Quellen und historischen Erfahrungen sich die dem Westgedanken zugrundeliegende These speiste, daß die dauerhafte Existenz eines unabhängigen polnischen Staates nur bei einer gleichzeitigen territorialen Schwächung des als notorisch aggressiv angesehenen deutschen Nachbarn vorstellbar sei, wird gleichfalls zu zeigen sein.
Grundlage und Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist die Frage, vor welchem ideengeschichtlichen Hintergrund mit Ostpreußen und Teilen Schlesiens Gebiete in das Blickfeld polnischer Interessen gerieten und schließlich zum Gegenstand direkter Gebietsansprüche wurden, die nicht zum Programm einer Restitution des durch die Teilungen gewaltsam ausgelöschten polnischen Staates gehören konnten. Diesem Prozeß liegt ein grundlegender Wandel der polnischen Nationsidee zugrunde, in dessen Verlauf ein ursprünglich romantisch inspirierter und intellektuell abgehobener Befreiungsnationalismus schließlich in eine ethnisch motivierte und dem Prinzip des „nationalen Egoismus" verpflichtete Integrationsideologie einmündete. Damit einher ging ein grundlegender Wandel des Gesellschaftsverständnisses, das nunmehr weg von der überkommenen Tradition der „Adelsnation" und hin zu einer nationalen Integration auch des bisher abseits stehenden ländlichen Proletariats führte. 4 In dieser Entwicklung mischten sich spezifisch polnische Faktoren mit allgemeineuropäischen Zeitströmungen und Denkmustern. Die von polnischer Seite gegen Deutschland erhobenen Gebietsansprüche allein aus der polnischen historischen Entwicklung heraus als Reaktion auf die deutsche Polenpolitik zu deuten, wie dies in der polnischen Forschung mitunter getan wird, wäre also verfehlt.
Die vorliegende Arbeit betrachtet es als ihre Aufgabe, die verschiedenen Kriterien aufzuzeigen, die auf polnischer Seite zur Begründung der territorialen Ansprüche im Westen herangezogen wurden - sei es historischer, ethnisch-kultureller, sprachlicher, geographischer oder ökonomischer Natur -, und dabei aus der vielfältigen polnischen Publizistik argumentative Grundmuster herauszufiltern und ideengeschichtlich einzuordnen. Gerade die oft recht willkürliche Vermischung dieser verschiedenen Kriterien weist auf ein weiteres Problem hin, das in der polnischen Forschung bislang sehr einseitig erörtert wurde, nämlich die Frage nach einem mehr defensiven oder mehr offensiven Charakter des Westgedankens. War das im 19. Jahrhundert erwachende polnische Interesse an den „Westgebieten" zunächst noch auf die dort vom einfachen
Volk gesprochenen polnischen Dialekte und deren Verteidigung gegen deutsche Assimilierungsbestrebungen konzentriert - also im klassischen Sinne defensiv -, so erlaubte die Addition weiterer Kriterien den Übergang zu einer mehr und mehr offensiven und aggressiven Stoßrichtung, die über die von einer polnischsprachigen Bevölkerungsmehrheit bewohnten Gebiete noch hinausgriff. Es gilt daher, diesen Übergang zeitlich zu bestimmen und die Bedingungen aufzuzeigen, unter denen er sich vollzog.
Hiervon nicht zu trennen ist zum einen der Einfluß gesamteuropäischer nationaler Ideen, zum anderen der sich verschärfende Nationalitätenkonflikt im preußischen Osten. Aus welchen geistigen Quellen und historischen Erfahrungen sich die dem Westgedanken zugrundeliegende These speiste, daß die dauerhafte Existenz eines unabhängigen polnischen Staates nur bei einer gleichzeitigen territorialen Schwächung des als notorisch aggressiv angesehenen deutschen Nachbarn vorstellbar sei, wird gleichfalls zu zeigen sein.
- Addeddate
- 2014-06-13 23:18:00
- Collection_added
- booksbylanguage
- Identifier
- DerPolnischeWestgedankeRolandGehrke
- Identifier-ark
- ark:/13960/t51g3cj1n
- Ocr
- ABBYY FineReader 9.0
- Ppi
- 300
- Scanner
- Internet Archive HTML5 Uploader 1.5.2
comment
Reviews
2,497 Views
2 Favorites
DOWNLOAD OPTIONS
For users with print-disabilities
IN COLLECTIONS
German : Books by LanguageUploaded by Rhino White on
Open Library